Geschichte der Loge
Münchens älteste Bauhütte
Die Freimaurerloge „Zur Kette“, gegründet im Jahr 1873, ist die älteste und bis heute größte Freimaurerloge Münchens. Wer ihre Geschichte betrachtet, blickt auf mehr als eineinhalb Jahrhunderte voller kultureller Impulse, gesellschaftlichem Engagements, mutigen Neuanfängen und menschlicher Verbundenheit.
Hier möchten wir einen lebendigen Einblick unsere Geschichte geben.
Ein Zeitfenster in die Vergangenheit
Die Entstehung der Loge „Zur Kette“ lässt sich nur verstehen, wenn man einen Blick in die geistige Landschaft Münchens des 18. und 19. Jahrhunderts wirft.
Während die Freimaurerei in Ländern wie Frankreich, England oder Preußen schon früh zu einem Ort des intellektuellen Austausches wurde, war Bayern lange geprägt von strengen kirchlichen und politischen Strukturen. Verordnungen gegen Geheimgesellschaften, dazu kirchliche Einflussnahme sowie kulturelle Zurückhaltung bremsten das Wachstum freimaurerischer Gruppen über Jahrzehnte hinweg.
Im Jahr 1870 trafen sich vier Münchner Freimaurer im Café Reibel und gründeten das „Kränzchen Kette“. Damit legten sie den Grundstein für eine Gemeinschaft, die bald weit über ihre Ursprünge hinaus Bedeutung gewinnen sollte.
Der Name „Kette„ ist kein Zufall: In der Freimaurerei steht die Kette symbolisch für die weltweite Verbundenheit aller Brüder, für Gleichwertigkeit, Zusammenhalt und die Idee, dass jeder Mensch ein Glied in einem größeren Ganzen ist.
Nach politischen Hürden – etwa dem Verbot, sich einer auswärtigen (nichtbayrischen) Großloge anzuschließen – fand die junge Gemeinschaft schließlich ihren Weg unter der „Großloge Zur Sonne (Bayreuth). Am 18. April 1873 wurde die Loge „Zur Kette“ offiziell gegründet – ein Datum, das bis heute jährlich als „Tag der Kette“ gefeiert wird.
Schon kurz nach ihrer Gründung wuchs die „Kette“ rasant. Sie zog in verschiedene Räume, gründete schließlich ihr erstes eigenes Logenhaus in der Prannerstraße und später ein prachtvolles Logenhaus in der Schwanthalerstraße.
Die Loge war im München des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gesellschaftlich vernetzt und aktiv. Zu ihren Mitgliedern gehörten Bauunternehmer, Schriftsteller, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler – Menschen, die durch ihre Ideen und Berufe zur Entwicklung der Stadt beitrugen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann ein tragisches Kapitel, nicht nur für die Freimaurerei, sondern für viele humanitäre Organisationen.
Die Loge „Zur Kette“ musste – wie fast alle Logen in Deutschland – ihre Arbeit einstellen. Das Logenhaus wurde beschlagnahmt, die Bibliothek und große Teile des Inventars gingen verloren.
Besonders schmerzhaft: Zehn Brüder der Kette, darunter acht jüdischer Herkunft, wurden Opfer des NS-Regimes.
Die Loge verharrte im Schweigen. Doch die Idee der Kette lebte weiter – in den Herzen ihrer Mitglieder, die sich teilweise im Verborgenen trafen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt eines der eindrucksvollsten Kapitel der Logengeschichte. Bereits 1945 formierten sich frühere Münchner Freimaurer zur Freimaurerischen Vereinigung, die von der amerikanischen Militärregierung anerkannt wurde.
1947 erteilte die Militärregierung die Genehmigung zur Wiederbelebung der Loge „Zur Kette“ – und schon im September fand die erste Tempelarbeit seit 14 Jahren statt, unter Teilnahme von 39 Brüdern.
Damit begann der zweite große Zeitraum der Kette – geprägt von Wachstum, kultureller Aktivität und einer offenen, humanistischen Freimaurertradition.
Die Loge „Zur Kette“ war in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich an überregionalen Entwicklungen der deutschen Freimaurerei beteiligt. „Kette-Brüder“ engagierten sich als Großmeister, Distriktmeister oder in kulturellen und wissenschaftlichen freimaurerischen Organisationen.
Viele Projekte prägten das Logenleben:
- Gründung karitativer Vereine, besonders der Bruderhilfe e.V., die bis heute Gutes bewirkt.
- Internationale Kontakte – von Israel über die USA bis Südafrika.
- Alpenländische Freimaurertreffen, die München dann zum Zentrum der europäischen Freimaurerei machten.
Bis heute arbeiten hier viele Brüder, an sich oder den Idealen der Maurerei jeden Montagabend. Interessierte lernen wir gerne bei unseren Gästeabende kennen.