Freimaurerloge "Zur Kette"

Die Geschichte der Freimaurerei

Von mittelalterlichen Bauhütten zur modernen humanitären Gemeinschaft

Geschichte der FreimaurerDie Freimaurerei gehört zu den ältesten humanitären Bewegungen der Welt – und gleichzeitig zu den meist missverstandenen. Zwischen Mythen, Spekulationen und Verschwörungserzählungen geht oft verloren, was sie tatsächlich ist: ein Bund freier Menschen, der seit Jahrhunderten für Aufklärung, Toleranz, Menschlichkeit und individuelle Weiterentwicklung steht.

Dieser Artikel bietet keine absolute Wahrheit, sondern einen fundierten, modernen Einblick in die historische Entwicklung der Freimaurerei – von ihren mittelalterlichen Wurzeln bis hin zu ihrer weltweiten Bedeutung heute.

Die frühen Wurzeln – von Bauhütten zu Bruderschaften

Der Ursprung der modernen Freimaurerei liegt nicht in Ägypten, bei den Tempelrittern oder in antiken Mysterienkulten – sondern in den realen, christlich geprägten Dombauhütten des Mittelalters.

Zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert errichteten Steinmetze und Bauhüttenmeister die großen Kathedralen Europas. Ihre Organisation war erstaunlich modern:

  • drei Grade: Lehrling – Geselle – Meister
  • ein strenger Ehrenkodex
  • berufliche Geheimnisse und Erkennungszeichen
  • Wanderschaft und internationale Zusammenarbeit
  • ein früher Unterstützungsfonds („Beutel der Witwe“)

Dieses Netzwerk entwickelte nicht nur architektonische Meisterwerke, sondern auch eine gemeinsame Symbolsprache und ein Bewusstsein für Bildung, Geometrie und Moral.

Diese sogenannte operative Freimaurerei (operative = arbeitende) war rein handwerklich geprägt – und dennoch der Nährboden für etwas viel Größeres.

Der Wandel – die Geburt der „spekulativen“ Freimaurerei 

Im 17. Jahrhundert veränderte sich Europa: Kathedralbauten gingen zurück, neue Bauformen entstanden, und die alten Zünfte verloren an Bedeutung. Gleichzeitig wuchs das Interesse von Gelehrten, Bürgern, Wissenschaftlern und Adeligen an den Bauhütten.

Sie wurden als „accepted masons“ aufgenommen – nicht wegen ihrer handwerklichen Fähigkeiten, sondern wegen ihres Bildungsinteresses.

Damit begann der entscheidende Wandel:

Aus Baukunst wurde Symbolik.
Aus Handwerk wurde Philosophie.
Aus Steinmetzen wurde eine humanitäre Bewegung.

Winkel und Zirkel erhielten eine moralische Bedeutung: Aufrichtigkeit, Maßhalten, Selbstbeherrschung.
Rituale dienten nicht mehr dem Bau von Kathedralen, sondern dem Bau am eigenen Charakter.

1717 – Die offizielle Geburtsstunde der modernen Freimaurerei

Am 24. Juni 1717 schlossen sich vier Londoner Logen im Gasthaus Goose and Gridiron zur ersten Großloge der Welt zusammen. Dieses Datum gilt als Beginn der modernen, spekulativen Freimaurerei.

Kurz darauf veröffentlichte der Geistliche James Anderson die berühmten Constitutions of 1723, die bis heute die Werte des Bundes definieren:

  • Keine festgelegte Religion – nur die Anerkennung eines moralischen Gesetzes
  • Freiheit des Gewissens
  • Pflichtbewusstsein, Ehre und Menschlichkeit

In einer Zeit voller Religionskriege war das revolutionär.

Vorurteile, Spannungen und politische Konflikte

Die Freimaurerei stand immer wieder im Zentrum von Misstrauen – nicht, weil sie geheimnisvoll wäre, sondern weil sie unabhängiges Denken fördert.

Revolutionäre Bewegungen

Einige Brüder wie Garibaldi, Simón Bolívar oder amerikanische Gründerväter engagierten sich in Freiheitsbewegungen. Das führte zu Legenden und politischen Spannungen.

Konflikt mit der katholischen Kirche

Schon 1738 folgte die erste päpstliche Bannbulle. Bis heute ist das Verhältnis in Teilen angespannt – ein historisch-politisches, kein spirituelles Problem.

Verschwörungstheorien

Vom „Taxil-Schwindel“ bis zu modernen Internetmythen – viele Erzählungen beruhen auf Unwissen, Projektionen oder politischer Instrumentalisierung.

1933–1945 – Das dunkelste Kapitel

Unter den Nationalsozialisten wurden Logen verboten, Häuser zerstört, Brüder verfolgt.
Freimaurer galten als Feinde, weil ihre Werte – Freiheit, Brüderlichkeit, Internationalität – der Ideologie widersprachen.

Neubeginn nach 1945 – die Freimaurerei in Deutschland

Nach dem Krieg wurden Logen mühsam neu aufgebaut.
1949 entstand in der Frankfurter Paulskirche die Dachorganisation Vereinigte Großlogen von Deutschland (VGLvD).

Heute arbeiten in Deutschland rund 15.000 Brüder in fünf Großlogen – diskret, aber engagiert, und Teil einer weltweiten Gemeinschaft von rund 5 Millionen Freimaurern.

Gerade in Europa ist die Freimaurerei oft noch zurückhaltend. Historische Erfahrungen haben sie gelehrt, im Stillen zu wirken.

Andere Länder, andere Sitten
–Beispiel die Freimaurerei in den USA und Australien-

Während Europa eher leise und diskret arbeitet, ist die Freimaurerei in den USA und Australien sichtbarer und gesellschaftlich fest verankert.

Die Freimaurer in den USA

Kaum ein Land wurde von Freimaurern so nachhaltig geprägt:

  • 1733 entstand die erste Loge in Boston
  • Viele Gründerväter – darunter George Washington und Benjamin Franklin – waren Brüder
  • Die Grundsteinlegung des Kapitols 1793 erfolgte unter freimaurerischem Ritus

Im 19. Jahrhundert wurden Logen zu sozialen Zentren in neu gegründeten Städten.
Sie bauten Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser – und sind bis heute eine humanitäre Kraft, vergleichbar mit AWO oder Caritas.

Australien

Auch dort sind Freimaurer offen sichtbar, engagiert in Charity-Projekten, Bildungsprogrammen und Community-Arbeit.

Eine weltweite humanitäre Bruderschaft

Heute steht die Freimaurerei weder für Macht noch Geheimnisse – sondern für:

  • Humanität
  • Toleranz
  • Selbsterkenntnis
  • Gemeinschaft und Verantwortung
  • persönliches Wachstum

In einer Welt voller Konflikte und Spaltungen bietet sie einen Ort der Ruhe, Reflexion und Begegnung – unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status.

Freimaurerei war immer.