Was wir tun
Wer glaubt, Freimaurer würden ständig Politik, das Wetter oder sonstige Ereignisse beeinflussen (können), wird enttäuscht sein. Aus Sicht des Einzelnen lautet die Wahrheit: Leider nein.
Ebenso beschäftigen sich Freimaurer nicht damit, sich gegenseitig Geschäfte zuzuschustern.
Wer in der Freimaurerei einen direkten wirtschaftlichen oder politischen Vorteil erwartet, wird dort nicht fündig.
Ganz ohne Einfluss ist die Freimaurerei allerdings auch nicht – oder zumindest würden wir es uns wünschen. Und der Glaube daran ist nicht immer unbegründet. Es gab und gibt es unter den Freimaurern einige Männer, die zu ihrer Zeit auf ihre Weise Wirkung auf die Menschheit gehabt haben:
Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich der Große, Voltaire, George Washington, Benjamin Franklin, Mark Twain, Oscar Wilde, Arthur Conan Doyle, Winston Churchill, Giuseppe Garibaldi, Franz Liszt, John Locke, Rudyard Kipling, Henry Ford, Walt Disney, Theodore Roosevelt, Harry S. Truman, Simon Bolívar, Edmond Rostand, Jonathan Swift, John Hancock, Marquis de Lafayette.
Der Begründer der „Stiftung Menschen für Menschen„, der Schauspieler Karlheinz Böhm, war 40 Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2014 Bruder der Loge „Zur Kette“. Seine Stiftung bringt seit 1981 und auch heute noch vielen Menschen in Äthiopien tätige Hilfe zur Selbsthilfe.
Prof. Dr. med. Georg Hohmann war Mitglied der Loge „Zur Kette“. Er wurde 1914 in München in den Bruderbund aufgenommen und hielt seiner Mutterloge 56 Jahre die Treue. Er war einer der Mitbegründer der Pfennigparade. Gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten gründete er 1950 eine Bürgerinitiative zur Unterstützung poliogelähmter Kinder, aus der sich 1952 der eingetragene Verein „Pfennigparade e.V.“ entwickelte. Hohmann, ein renommierter Orthopäde und langjähriger Universitätsrektor in München, setzte sich besonders für die medizinische und soziale Versorgung von Menschen mit Behinderungen ein.
Anläßlich des 125. Stiftungsfestes der Loge „Zur Kette“ im April 1997 haben alle Logen des Distriktes Bayern-Süd, nennenswerte Summen an die „Bruderhilfe e.V.“ überwiesen und sich entschlossen, in Würdigung dieses großen Freimaurers Georg Hohmann, der von ihm ins Leben gerufenen „Stiftung Pfennigparade„ einen Bus zum Transport von Menschen mit Beeinträchtigungen in Sonderanfertigung im Wert von 91.774,20 DM zu schenken. Der Bus wurde in Lohhof an die „Verlags- und Buchbinderei“ – einem Betrieb der „Stiftung Pfennigparade“ – übergeben.
Die berechtigte Frage lautet nun:
Haben diese Männer die Freimaurerei geprägt – oder hat die Freimaurerei sie geprägt?
Vermutlich Beides. Bleiben wir im Glauben, dass wir einander von Nutzen gewesen sind.
Und was tun Freimaurer heute?
Die Brüder der Loge „Zur Kette“ treffen sich einmal pro Woche.
Für jene, die sich für die „Kette“ entscheiden, „gehört der Montag der Loge“. Man verpflichtet sich damit, an den regelmäßigen Treffen teilzunehmen, wenn nicht (ausnahmsweise) dringliche Familien- oder berufliche Verpflichtungen „vorgehen“.
Während der regulären Bruderabende wird ein Vortrag gehalten – und jeder Bruder ist sowohl Vortragender als auch Zuhörer. Der anschließende Austausch ist kritisch, offen und respektvoll.
Jeder kommt zu Wort, keiner zu kurz.
Das Besondere: Es geschieht alles in einem geschützten Raum. Dort kann offen gesprochen werden. Und selbst wenn man einmal daneben liegt, das ist nicht schlimm. Es wird einen Bruder geben, der es ebenso offen anspricht, ohne nachtragend zu sein.
Ein Freimaurer arbeitet an sich selbst, nicht am rauen Stein des Anderen
Natürlich gibt es auch Rituale. Sie sind der Moment, in dem ein Bruder die Essenz der Freimaurerei in voller Tiefe erleben kann. Sie hier zu beschreiben, wäre ein Verrat an unserem Grundsatz der Verschwiegenheit – und es würde dem möglicherweise künftigen Bruder die Vorfreude nehmen. Schließlich will auch niemand im Voraus wissen, was er geschenkt bekommt.
Darüber hinaus gibt es Veranstaltungen, zu denen auch die Lebenspartner eingeladen werden. Ohne sie wäre Freimaurerei nicht möglich. Sie verdienen unseren Respekt und unsere Anerkennung für die Freiheit, die sie uns Brüdern schenken. Es ist Dank – keine Verpflichtung.
Und selbstverständlich tun Freimaurer Gutes. Wir unterstützen einige Projekte mit karitativem Hintergrund, die Menschen in den verschiedensten Notlagen helfen. Allerdings meistens nicht „öffentlichkeitswirksam“.
