Geschichte

Unsere ehrwürdige Bauhütte Zur Kette feiert am 18. April 2023 ihr 150. Stiftungsfest. Als Münchens älteste und größte Freimaurerloge blickt die Kette auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. In München gab es zwar bereits Ende des 18. Jahrhunderts mehrere Freimaurerlogen, die aber alle ihre Arbeit aufgrund zweier Verbotsverordnungen von Kurfürst Karl Theodor in den Jahren 1784 und 1785 komplett einstellen mussten.

In den folgenden Jahrzehnten blieb es um die Freimaurerei in München ruhig, bis sich am 27. Juli 1870 das freimaurerische Kränzchen Kette gründete, das am 18. März 1871 unter der Patenschaft der Frankfurter Loge Sokrates zur Standhaftigkeit in die Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes aufgenommen wurde. Leider verbot kurze Zeit später die königliche Polizeidirektion in München dem Kränzchen, sich einer nichtbayerischen Großloge anzuschließen.

Davon unbeeindruckt fassten die Gründerväter ein halbes Jahr später, am 28. September 1871, den Gründungsbeschluss als Kränzchen unter der Großloge Zur Sonne in Bayreuth. Die Annahme als Kränzchen und Konstitution als Loge erfolgten am 12. Februar 1873. Bereits kurze Zeit später, am 18. April 1873 erfolgte schließlich die Gründung und Annahme als gerechte und vollkommene St. Johannisloge Freimaurerloge Zur Kette mit 18 Gründungsmitgliedern unter dem Großmeister Johann Caspar Bluntschli. An diesen besonderen Tag wird in der Kette bis heute mit dem Stiftungsfest erinnert. Die Geschichtsbücher beschreiben die Lichteinbringung in die neue Loge am 27. Juli 1873 durch den Altgroßmeister Friedrich von Feustel als besonders feierliches und beeindruckendes Ereignis.

Der Kette war es erlaubt, nach dem sogenannten Ficke'schen Ritual (auch Freiburger Ritual genannt) zu arbeiten, solange man mindestens einmal im Jahr nach dem Sonnenritual der Großloge arbeitete. Zum Ficke'schen Ritual gehört das Weiße Buch, das der Loge jede dogmatische Deutung nehmen und den reinen Humanitätsgedanken herausarbeiten soll. Von Atheismus kann deshalb keine Rede sein, weil auf dem Einband in goldenen Buchstaben das Wort Gott stand. Heute arbeitet die Kette nach dem überarbeiteten Ritual der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.), aber zu besonderen Anlässen können auch weiterhin historische Rituale verwendet werden.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte die Freimaurerei noch immer einen schweren Stand in Bayern. Dies zeigt ein Artikel in einer Münchner Tageszeitung aus dem Jahre 1886, der die Freimaurerlogen als finstere Werkstätten bezeichnete und namentlich auflistete.

Bruder August Paret, Meister vom Stuhl der Kette von 1904 bis 1907, stellte bei der Jahresversammlung der Großloge Zur Sonne (Bayreuth) im Jahre 1905 den nachfolgenden Änderungsantrag, um der Großlogenverfassung eine stark humanitäre Ausrichtung zu geben:

Der Freimaurerbund kennt als Bruder- und Menschheitsbund keinen Unterschied der Religionen und Konfessionen, der Nationalität und politischen Richtung, auch nicht der Rassen und der Klassen.

Doch die Großloge war noch nicht bereit für eine solche Veränderung. Erst als Bruder August Paret im Jahre 1917 selbst zum Großmeister gewählt wurde, konnte er seine humanitären Vorstellungen schrittweise umsetzen.

Während des Ersten Weltkriegs stellte die Kette und die Loge Zum aufgehenden Licht an der Isar dem Reserve-Lazarett B (Marsplatz-Feldschule) eine Röntgeneinrichtung zur Verfügung. Nach dem Waffenstillstand im Jahre 1918 versuchte Bruder August Paret mit einem Funkspruch die Freimaurer der Welt auf die Notlage der deutschen Bevölkerung aufmerksam zu machen, aber leider vergeblich.

Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933 beginnt auch für die Freimaurerei eine dunkle Zeit. Die meisten Freimaurerlogen lösen sich selbst auf. Am 18. April 1933 fasst die Großloge Zur Sonne (Bayreuth) den Einschläferungsbeschluss für sich und ihre Mitgliedslogen. Eine Woche später beschließt die Kette die Löschung der Lichter und Einstellung der maurerischen Arbeit. Die letzte Tempelarbeit der Kette fand am 20. September 1933 statt. Zu dieser Zeit gibt es in München zehn Freimaurerlogen mit insgesamt 810 Mitgliedern, die Kette zählte insgesamt 175 Mitglieder (und 15 ständig besuchende Brüder). Während der Verfolgung der Freimaurer in der dunklen Zeit fielen auch zehn Brüder der Kette dem Terror zum Opfer. Das prächtige Logenhaus der Kette wurde bereits 1935 beschlagnahmt und der Hitlerjugend als Wohnheim übergeben, bevor es 1944 durch Bomben vollständig zerstört wurde. Der Verbleib des gesamten Inventars, einschließlich der wertvollen Bibliothek ist bis heute unklar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich bereits am 2. Oktober 1945 insgesamt 35 Münchner Freimaurer zusammen und gründeten die Freimaurerischen Vereinigung Masonic Circle Munich, die sich aufgrund der Genehmigung der US-Militärregierung zwar treffen, aber (noch) nicht arbeiten durfte. Daraus entwickelten sich später die Logen Zur Kette, In Treue fest und Deutsche Wacht im Süden (künftig: Lessing zum flammenden Stern). Am 3. Juli 1947 erteilte schließlich die US-Militärregierung die Genehmigung zur Gründung der Loge Zur Kette und Wiederaufnahme der maurerischen Arbeit. Auf den Tag genau 14 Jahre nach der letzten Tempelarbeit führte die Kette am 20. September 1947 ihre erste Tempelarbeit nach der dunklen Zeit durch.

Im Oktober 1947 erfolgte der Beitritt der Kette zur neu gegründeten Großloge Zur Sonne (Bayern) und bereits zum Jahresende 1948 hatte die Kette 99 Mitglieder. Infolge der organisatorischen Umstrukturierung der deutschen Freimaurerei ging am 19. Juni 1949 die Großloge Zur Sonne (Bayern) vollständig in der neu gegründeten Vereinigten Großloge von Deutschland (später: A.F.u.A.M.v.D.) auf, so dass die Kette zu den (Gründungs-)Mitgliedern der heutigen A.F.u.A.M.v.D. zählt. Bruder Theodor Vogel, der als Einiger der deutschen Freimaurerei gilt, wurde zum Johannisfest desselben Jahres zum Ehrenmitglied der Kette ernannt.

In der Folgezeit blühte das Logenleben in der Kette schnell wieder auf. Über die Jahre organisierte die Kette nicht nur ihre alljährlichen, freimaurerischen Feierlichkeiten, sondern auch eine Vielzahl von Gastvorträgen und öffentlichen Diskussionsabenden, Konzerten und Festbällen mit karitativen Sammlungen. Sogar eine freimaurerische Ausstellung im Münchner Rathaus unter dem Titel "Die Bruderschaft der Freimaurer" mit mehr als 10.000 Besuchern konnte durchgeführt werden. Auch bei der Ausrichtung mehrerer Großlogentage in München, die neben einer Festarbeit und Tafelloge auch ein kulturelles Programm für die Brüder und ihre Partner vorsahen, und bei der Organisation mehrerer Alpenländische Freimaurertreffen, bei denen sich Logen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz trafen, war die Kette federführend. Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich auch die Teilnahme mehrerer Kette-Brüder bei der Steuben-Parade in New York im Jahre 1989.

Viele Mitglieder der Kette haben nicht nur Verantwortung innerhalb der Loge übernommen, sondern darüber hinaus auch Ämter in Großlogen bekleidet. Die Kette hat nicht nur Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland und der A.F.u.A.M.v.D. gestellt, sondern unter anderem auch Großzeremonienmeister, Großsekretäre und Distriktmeisters für Bayern.

Heute zählt unsere Kette knapp 120 Mitglieder mit steigender Tendenz. Erfreulich ist vor allem, dass die Kette in den letzten Jahren - im Gegensatz zu vielen anderen Logen - einen starken Zuwachs an jungen Mitgliedern verzeichnen konnte, ohne dass der Austausch mit älteren Mitgliedern darunter leidet.

Wir sind gespannt, was die Zukunft für die Kette bereithält.